Unter dem Motto «Schnau di aa» Vollgas gegeben

Das traditionelle Jahreskonzert der Musikgesellschaft riss das Publikum richtiggehend mit

 

von Vera Frey

 

Die Musikgesellschaft Wangen bei Olten spielte am Samstagabend vor voller Halle im Alpschulhaus ihr traditionelles Frühlingskonzert unter dem Motto «Schnau di aa». Zur Eröffnung spielte eine starke Jugendband unter der Leitung von Viktor del Ponte Stücke wie «Stand by me» und «I was made for loving you». Die zehn Jugendlichen Musikanten zeigten mit Begeisterung und auch mit hinreissenden Soli, dass der Nachwuchs der Wangener Musikgesellschaft in der nächsten Zeit gesichert ist. Einige Mitglieder der Jugendband konnten denn auch schon wieder für das Mitspiel bei den «Grossen» gewonnen werden, so dass die jetzige Zusammensetzung der Musikgesellschaft insgesamt jung und frisch daherkommt (der jüngste Musikant ist 13, der älteste aktive 75 Jahre jung).

 

Militärischer Beginn

Nach einer kurzen Begrüssung durch Johannes Gäumann – inklusive Vorgeschmack auf die grosse Feier mit Einweihung einer neuen Uniform zum 150-jährigen Jubiläum im August 2013 – startete dann die Musikgesellschaft Wangen unter der starken Führung von Lukas Vogelsang furios in den ersten Teil mit dem russischen Marsch «Farewell of Slavianka» des russischen Komponisten Vasily Agapkin. 1912, kurz vor dem ersten Balkankrieg komponiert, handelt der Marsch vom Abschied eines russischen Soldaten von seiner Frau und entwickelte sich neben der Nationalhymne zu einem der bekanntesten Märsche in Russland. Ebenfalls militärisch ging es im Programm weiter – mit dem Stück «Smokey Joe» und der etwas dezimierten Tambourengruppe. Mit unglaublicher Präzision spielten sich die drei Trommler direkt in die Herzen – und Ohren – der Zuhörerinnen und Zuhörer und liessen sich auch eine Zugabe nicht nehmen.

 

Komplett überzeugt

Mit einem interessanten Arrangement des «Ungarischen Tanzes Nr. 5» mit vielen rhythmischen und dynamischen Finessen von Johannes Brahms ging dann die musikalische Reise durch den Osten Europas weiter. Shirim ist ein hebräisches Wort und bedeutet so viel wie Lieder. Der belgische Komponist Piet Swerts komponierte mit seinem Stück mit diesem Namen eine auf der Musik der osteuropäischen Juden (Klezmer) basierende Rhapsodie. Von der mysteriösen Einleitung über orientalisch anmutende Melodien bis zur Verarbeitung eines jüdischen Volksliedes, das schliesslich in ein schallendes und brillantes Finale übergeht, mochte das Stück die Zuhörerschaft – trotz eines kleines Durchhängers in der Mitte – komplett zu überzeugen. Wieder zurück nach Ungarn ging es dann mit dem letzten Stück des ersten Teils. Auch bei diesem wurden Volkstänze verarbeitet – nämlich der ungarische Tanz Czárdás, nach dem auch das Stück «Czardas Mood» von Bob Gay und Marcel Peeters benannt wurde. Abwechslungsreiche und sehr vielschichtige Rhythmen machten das Stück zu einer Herausforderung für die Musikantinnen und Musikanten – doch unter der hervorragenden Leitung von Lukas Vogelsang meisterte die Musikgesellschaft Wangen auch diese Hürde meisterlich und wurde mit einem tosenden Beifall für ihre Probenarbeit belohnt.

 

Verwandlung in Big Band

Mit dem ersten Stück nach der Pause, das dem ganzen Abend das Motto geliefert hat «Fasten Seatbelts» – verwandelte sich die Musikgesellschaft Wangen in die MGW Big Band, mit Showmaster, Bandleader und Saxophonsolist Lukas Vogelsang. Ob eingängiger Funksound inklusive dazugehöriger Soli beim Stück «Eurofunk» von Palmino Pia oder Klassiker des Big Band Repertoires der 1950er und 60er Jahre wie «Big Spender» von Cy Coleman und Dorothy Fields oder «It don’t mean a Thing (If It Ain’t Got That Swing)» des einflussreichen amerikanischen Jazzmusikers Duke Ellington, die Musikgesellschaft überzeugte auch in diesem Genre auf ganzer Linie. Mitwippende Füsse und mitklatschende Hände inklusive. Ein Höhepunkt der zweiten Hälfte war dann sicher die «Ray Charles Anthology », vier Klassiker des blinden amerikanischen Soul- und Bluessängers in neuer Interpretation. Schliesslich war die 40er Jahre Nummer «Pennsylvania 6-5000», komponiert von Jerry Grey und bekannt durch das Glenn Miller Orchestra noch das Sahnehäubchen auf dem gelungenen, musikalisch hochstehenden und kurzweiligen Konzert, das seinen definitiven Abschluss nach lang anhaltendem Applaus und zwei Zugaben dann traditionsgemäss im Wangener Marsch fand, mit dem sich der Bogen zum Konzertbeginn auch wieder schloss.

Termine der MGW

  • 03.06.2012
    Rickenbach

    Regionalmusiktag in Rickenbach